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E-Rechnung 06.09.2026 6 Min. Lesezeit

ZUGFeRD oder XRechnung: Welche E-Rechnung passt zu welchem Prozess?

Erfahren Sie, wann ZUGFeRD oder XRechnung die richtige Wahl ist – für Rechnungsempfänger, Versender und hybride Workflows.

Von buchkram-Team

ZUGFeRD oder XRechnung: Welche E-Rechnung passt zu welchem Geschäftsprozess?

Die Einführung der E-Rechnungspflicht hat viele Unternehmen dazu bewegt, sich intensiver mit den Formaten ZUGFeRD und XRechnung zu beschäftigen. Beide ermöglichen den Austausch strukturierter Rechnungsdaten, unterscheiden sich jedoch in ihren Einsatzszenarien. Dieser Artikel hilft Ihnen, die Unterschiede zu verstehen und die passende Wahl für Ihre Geschäftsprozesse zu treffen – unabhängig davon, ob Sie Rechnungen empfangen oder versenden.

Grundlagen: Was sind ZUGFeRD und XRechnung?

ZUGFeRD ist ein hybrides Format, das eine PDF-Datei mit eingebetteten XML-Daten kombiniert. Es wurde vom Forum elektronische Rechnung Deutschland (FeRD) entwickelt und ist seit Version 2.0 mit der europäischen Norm EN 16931 konform. Das PDF bleibt dabei für Menschen lesbar, während das XML die maschinelle Verarbeitung ermöglicht. Es gibt verschiedene Profile (Basic, Comfort, Extended), die unterschiedliche Detailtiefen abdecken.

XRechnung ist ein reines XML-Format, das auf der europäischen Norm EN 16931 basiert und in Deutschland für die Übermittlung an öffentliche Auftraggeber verpflichtend ist. Es enthält keine visuelle Darstellung; die Daten werden direkt in Systemen verarbeitet. XRechnung wird häufig über spezielle Übertragungswege wie die Peppol-Infrastruktur oder das E-Rechnungs-Portal des Bundes (ZRE) ausgetauscht.

Der wichtigste Unterschied: ZUGFeRD ist hybrid (PDF + XML), XRechnung ist rein strukturiert. Daraus ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an die Verarbeitung und unterschiedliche Vorteile je nach Prozess.

Für Rechnungsempfänger: Wann ist welches Format sinnvoll?

Öffentliche Auftraggeber sind verpflichtet, XRechnung zu empfangen. Wenn Sie also an Behörden oder öffentliche Einrichtungen liefern, müssen Sie XRechnung senden können. Für Unternehmen, die Rechnungen von Lieferanten erhalten, spielt die Frage eine Rolle, wie Sie diese verarbeiten möchten.

  • Automatisierte Verarbeitung: Wenn Sie viele Rechnungen empfangen und diese vollständig automatisiert in Ihr ERP-System übernehmen möchten, ist XRechnung ideal. Die strukturierten XML-Daten lassen sich direkt validieren und weiterverarbeiten, ohne dass eine OCR-Erkennung nötig ist.
  • Manuelle Prüfung mit Belegansicht: ZUGFeRD bietet den Vorteil, dass das PDF als visuelle Kontrolle dient. Mitarbeiter können die Rechnung direkt am Bildschirm prüfen, während die XML-Daten bereits für die Buchung zur Verfügung stehen. Das erleichtert den Umstieg von Papier auf elektronische Verarbeitung.
  • Gemischte Prozesse: Viele Unternehmen empfangen sowohl XRechnung als auch ZUGFeRD. Entscheidend ist, dass Ihr System beide Formate verarbeiten kann. Moderne Buchhaltungslösungen bieten oft Schnittstellen für beide Standards.

Ein Beispiel: Ein mittelständisches Unternehmen erhält Rechnungen von Freelancern als PDF (ohne XML) und von größeren Lieferanten als XRechnung. Mit einer Lösung, die sowohl PDF-Import als auch XRechnung unterstützt, können Sie alle Rechnungen zentral verarbeiten.

Für Rechnungsversender: Welche Anforderungen haben Ihre Kunden?

Wenn Sie Rechnungen versenden, müssen Sie die Anforderungen Ihrer Kunden kennen. Öffentliche Auftraggeber verlangen XRechnung. Private Unternehmen akzeptieren oft ZUGFeRD, da es einfacher zu handhaben ist und die PDF-Datei als Nachweis dient.

  • B2G (Business to Government): Für Rechnungen an öffentliche Stellen ist XRechnung Pflicht. Stellen Sie sicher, dass Ihre Software die Erstellung und Übermittlung über die geforderten Kanäle unterstützt.
  • B2B (Business to Business): Im privaten Sektor ist ZUGFeRD weit verbreitet, da viele KMU noch nicht vollständig auf XML-basierte Verarbeitung umgestellt haben. ZUGFeRD bietet einen sanften Einstieg: Sie senden weiterhin eine PDF-Rechnung, die zusätzlich maschinenlesbare Daten enthält.
  • B2C (Business to Consumer): Für Privatkunden ist ZUGFeRD in der Regel nicht relevant, da diese keine strukturierten Daten benötigen. Hier reicht eine einfache PDF-Rechnung.

Wenn Sie eine heterogene Kundenbasis haben, kann es sinnvoll sein, beide Formate anzubieten. Viele Buchhaltungsprogramme ermöglichen es, das Ausgabeformat je nach Kunde zu wählen.

Hybride Prozesse: ZUGFeRD als Brückentechnologie

ZUGFeRD wird oft als „Brückentechnologie“ bezeichnet, weil es die Vorteile von PDF und XML vereint. Für Unternehmen, die Schritt für Schritt digitalisieren möchten, ist dies ideal:

  • Sie können weiterhin PDF-Rechnungen versenden, die für Ihre Kunden gewohnt aussehen.
  • Gleichzeitig sammeln Sie Erfahrung mit strukturierten Daten, ohne sofort auf ein reines XML-Format umsteigen zu müssen.
  • Für den Empfang von Rechnungen können Sie ZUGFeRD nutzen, um die Belegablage zu vereinfachen und gleichzeitig die Buchung zu automatisieren.

Ein typisches Beispiel: Ein Handwerksbetrieb sendet seinen privaten Kunden einfache PDF-Rechnungen, aber an gewerbliche Kunden ZUGFeRD-Rechnungen, weil diese die XML-Daten schätzen. So bleibt der Aufwand gering, und die Kundenanforderungen werden erfüllt.

Technische Umsetzung: Was Sie beachten sollten

Die Wahl des Formats hängt auch von Ihrer technischen Infrastruktur ab. Wenn Sie ein ERP-System nutzen, das bereits XRechnung unterstützt, können Sie direkt darauf aufbauen. Wenn Sie jedoch mit einfachen Tools arbeiten, ist ZUGFeRD oft leichter zu integrieren, da Sie lediglich ein PDF mit eingebettetem XML erzeugen müssen.

Ein wichtiger Punkt ist die Validierung: Beide Formate müssen den Regeln der EN 16931 entsprechen. Für XRechnung gibt es spezielle Validierungsdienste (z.B. vom Bund), für ZUGFeRD ebenfalls Prüfwerkzeuge. Achten Sie darauf, dass Ihre Software die Einhaltung der Profile sicherstellt.

Außerdem sollten Sie die Übertragungswege klären: XRechnung wird häufig über Peppol oder das ZRE übermittelt, während ZUGFeRD einfach per E-Mail versendet werden kann. Wenn Sie viele Rechnungen an die öffentliche Hand senden, lohnt sich die Einrichtung eines Peppol-Zugangs.

Fazit: Nicht entweder-oder, sondern situationsabhängig

ZUGFeRD und XRechnung sind keine Konkurrenten, sondern ergänzen sich. Für die öffentliche Hand ist XRechnung der Standard, für viele private Geschäftsbeziehungen bietet ZUGFeRD eine praktische Lösung. Unternehmen sollten ihre Prozesse analysieren und die Formate wählen, die zu ihren Kunden und internen Abläufen passen. Eine flexible Buchhaltungssoftware, die beide Formate unterstützt, erleichtert die Umstellung erheblich. Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie sich an Ihren Steuerberater wenden – dieser Artikel ersetzt jedoch keine individuelle Beratung.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Blog. Wenn Sie eine Software suchen, die Sie bei der Umstellung unterstützt, können Sie sich hier informieren.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine steuerliche oder rechtliche Beratung. Bitte konsultieren Sie bei konkreten Fragen einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.

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